
Von der Liebe, vom Loslassen und einer besonderen Freundschaft
Dieser Blogartikel ist sehr persönlich.
Ich widme ihn meiner besten Freundin Iris, die morgen 66 Jahre alt geworden wäre und sich vor gut drei Jahren entschied, weiterzuziehen. Mehr als dreißig Jahre war sie an meiner Seite.
Wenn ich heute über unsere Freundschaft nachdenke, dann denke ich nicht zuerst an all die Dinge, in denen wir uns ähnlich waren – vielleicht eher an das Gegenteil. Wir waren zwei sehr unterschiedliche Menschen. Wir haben die Welt nicht immer mit denselben Augen gesehen, hatten unsere eigenen Vorstellungen vom Leben und wussten ziemlich genau, wie wir beim anderen einen wunden Punkt treffen konnten. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – waren wir uns tief verbunden. Wir haben uns aneinander gerieben und einander in ewiger Treue unterstützt. Wir haben unsere Kinder/Patenkinder aufwachsen sehen, zusammen gefeiert und getrauert, diskutiert und gestritten, uns wieder versöhnt und sehr, sehr viel miteinander und übereinander gelacht.
Noch heute habe ich ihre Stimme im Ohr, wenn sie mit Entrüstung und gleichzeitig diesem unverwechselbar lachenden Unterton rief: „Du bist eine blöde Kuh, Ernie!“
Dann wusste ich: Ich hatte gerade ziemlich sicher einen wunden Punkt erwischt. Natürlich beherrschte sie das umgekehrt mindestens genauso gut. Wir haben uns nicht geschont, aber wir haben uns innig geliebt und vielleicht konnten wir uns gerade deshalb über all die Jahre immer wieder aneinander entwickeln.
Heute weiß ich, dass eine tiefe Verbindung nicht davon lebt, dass zwei Menschen gleich sind.
Vielleicht bedeutet wirkliche Nähe vielmehr, einen Menschen in seiner Andersartigkeit zu erkennen. Ihn nicht nach den eigenen Vorstellungen formen zu wollen. Sich manchmal aneinander zu reiben, einander herauszufordern – und trotzdem zu bleiben. Als Iris schwer krank wurde, veränderte sich vieles. Rückwirkend bekommen Gespräche, Entscheidungen und gemeinsam verbrachte Zeit eine andere Bedeutung. Und wenn ein Mensch schließlich geht, bleiben neben der Trauer oft auch Fragen zurück.
Hätte ich mehr tun können? Hätte ich etwas früher erkennen müssen? Gab es etwas, das wir übersehen haben? Was wäre gewesen, wenn …?
Ich glaube, viele Menschen kennen solche Gedanken, wenn sie jemanden verloren haben. Vielleicht sind sie sogar ein Teil unserer Trauer. Denn wenn wir einen Menschen lieben, möchten wir ihn beschützen, wir möchten helfen, wir möchten etwas tun und manchmal müssen wir schmerzhaft erkennen, dass unsere Möglichkeiten Grenzen haben.
Wir können einen anderen Menschen nicht retten.
Sechs Wochen nachdem Iris nach schwerer Krankheit von uns gegangen war, kam ich zum ersten Mal mit LAVA PURE in Berührung. Natürlich war da sofort dieser Gedanke:
"Wenn ich das doch früher gewusst hätte." Ich weiß, dass sie es im Vertrauen auf mich – oder vielleicht auch einfach mir zuliebe – genommen hätte. Und ich hätte mir von Herzen gewünscht, ich ahne, nach allem was die Studien sagen, dass es ihr geholfen hätte. Dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt, bis ich irgendwann etwas verstanden habe, was viel größer war als die Frage nach einem bestimmten Mittel oder einer bestimmten Möglichkeit: Es war nicht meine Verantwortung, sie zu retten.
Das zu akzeptieren, war nicht leicht, denn wenn wir jemanden lieben, verschwimmt die Grenze zwischen Fürsorge und Verantwortung manchmal. Wir können Informationen weitergeben. Wir können Möglichkeiten zeigen. Wir können zuhören, wir können begleiten, wir können eine Hand reichen, aber wir können das Leben eines anderen Menschen nicht für ihn leben. Und wir können seine Entscheidungen nicht übernehmen.
Vielleicht ist auch das eine der schwierigsten Formen von Liebe: Da zu sein, ohne besitzen zu wollen. Zu helfen, ohne bestimmen zu können. Und irgendwann loszulassen, obwohl wir viel lieber festhalten würden.
Auch Trauer muss nicht „weg“
In den vergangenen Jahren habe ich noch etwas gelernt. Wir sprechen häufig davon, Trauer zu „bewältigen“ oder einen Verlust zu „verarbeiten“, als gäbe es irgendwann einen Punkt, an dem alles erledigt wäre. So empfinde ich es nicht. Manche Menschen verlassen unser Leben, aber nicht unsere innere Welt, sie tauchen plötzlich wieder auf. In einem Lied. In einem Geruch. An einem bestimmten Ort. In einem Satz, den nur sie auf diese ganz besondere Weise gesagt haben oder mitten in einem Moment, in dem wir plötzlich wissen, was sie jetzt sagen würden. Vielleicht müssen wir solche Gefühle gar nicht loswerden. Vielleicht dürfen Trauer und Freude nebeneinander existieren. Sehnsucht und Dankbarkeit. Schmerz und ein Lächeln. Denn Trauer erzählt schließlich auch davon, dass wir geliebt haben. Und wenn ich heute an Iris denke, empfinde ich neben der Trauer vor allem eines: Dankbarkeit – Für mehr als dreißig gemeinsame Jahre, für unsere Reibung, für unsere Treue, für unsere Geschichten, für all das Lachen und sogar für die wunden Punkte, denn auch sie haben uns wachsen lassen. Vielleicht ist das am Ende das, was bleibt. Nicht die Frage, ob wir alles richtig gemacht haben, nicht all die Gedanken darüber, was hätte sein können, sondern die Liebe, die wir miteinander geteilt haben und die Spuren, die ein Mensch in unserem Leben hinterlässt. Morgen wärst du 66 Jahre alt geworden, liebe Iris. Ich weiß nicht, was wir gemacht hätten, aber ziemlich sicher hätten wir miteinander gelacht. Und wahrscheinlich hätte es nicht lange gedauert, bis eine von uns beiden der anderen gehörig auf die Nerven gegangen wäre.
Und wenn ich jetzt ganz still werde, kann ich deine Stimme beinahe hören: „Hau rein, Ernie!“ Was so viel bedeutet wie: GO FOR IT. ❤️